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Schule, Studium, Ausbildung
Damit es Erkan später leichter hat

Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 09/07 vom 21.09.2007


Damit es Erkan später leichter hat
Trotz heftiger Kritik auch aus dem Ausland verteilt
Deutschland seine Bildungschancen unbeirrt nach
sozialer Herkunft. Die Bildungsdiskriminierung ruft nun
Sir Ralf Dahrendorf auf den Plan. Der Soziologe hält
„affirmative action“, also eine Quote für bildungsferne
Schichten, an deutschen Hochschulen für sinnvoll.
von Christine Prußky
Ein ganz normaler Skandal im bundesdeutschen
Bildungsalltag: Erkan, neun Jahre alt, Grundschüler in
Neunkirchen am Brand bei Nürnberg. Seine Noten werden
plötzlich schlechter, die Lehrerin zweifelt. Ist Erkan dumm?
Nein, findet sein Vater heraus, dem Kleinen fehlt eine Brille.
Das ist alles. Hätte Ömer Sanlioglu das Lehrerinnenurteil nicht
hinterfragt, wer weiß, vielleicht wären Erkans Chancen auf
einen Übertritt ins Gymnasium schon verspielt. Erkan hat
Glück gehabt. Ömer Sanlioglu, sein Vater, ist promovierter
Wirtschaftswissenschaftler. Erkan ist also ein Akademikerkind
und damit hat er – statistisch gesehen – in Deutschland alle
Chancen, bis zur Universität vorzudringen.
So lächerlich das klingt, so ernüchternd sind die Zahlen. 83
von 100 Akademikerkindern schreiben sich in Deutschland an
einer Hochschule ein, aus Familien ohne akademische
Tradition tun das nur 23 von 100 Kindern. Als der Präsident
des Deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischaft, die Zahlen
im Frühsommer dieses Jahres veröffentlichte, geißelte er den
Befund als „beschämend für eine Demokratie“ und appellierte
beherzt: „Wir müssen endlich die soziale Selektivität des
deutschen Bildungs- und Hochschulsystems überwinden.“