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Den Übergang ins Berufsleben erleichtern. Mustafa Yaman hilft Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Eine der Aufgaben der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg (TGMN) ist einen Beitrag dazu zu leisten, dass die vielfach ehrenamtlich geleistete Integrationsarbeit ihrer Mitgliedsvereine sowie einzelner Persönlichkeiten von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und eine angemessene Anerkennung findet. Deshalb freuen wir uns über den folgenden Bericht der Nürnberger Nachrichten vom 26.04.2008 über die höchst erfolgreichen Bemühungen unseres vorjährigen Vorstandsmitglieds und jetzigen Ehrenmitglieds Mustafa Yaman, den wir mit freundlicher Genehmigung des Verlags ungekürzt abdrucken:

NÜRNBERG - Die Benachteiligung Jugendlicher mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt ist in aller Munde. Mustafa Yaman tut etwas dagegen. In den vergangenen sechs Jahren hat er rund 600 Jugendlichen auf die Sprünge geholfen - eine reine Privatinitiative aus sozialem Verantwortungsgefühl. 

Der gelernte Werkzeugmechaniker Mustafa Yaman ist in mehrfacher Hinsicht ein Unikat. Er dürfte nicht nur weit und breit der einzige Ausbildungsleiter eines großen Unternehmens sein, der aus der Türkei stammt, er hilft auch seit Jahren ehrenamtlich Jugendlichen, den schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf zu bewältigen. Woran es dabei hapert, erlebt er täglich an seinem Arbeitsplatz.

«Schmerzhafte Erfahrung» 

Der 39-Jährige ist bei der Firma FCI in Ziegelstein mit etwa 700 Mitarbeitern für 46 Lehrlinge verantwortlich. Angetrieben wird sein außerberufliches Engagement von einem wirkungsvollen Motor, der eigenen Erfahrung. «Als ich vor 23 Jahren eine Lehrstelle als Werkzeugmechaniker suchte, gab es keine Anlaufstelle, die mir weiterhelfen konnte, ich wusste nichts», sagt Yaman, «das war eine schmerzhafte Erfahrung.» Die will er nun möglichst vielen Jugendlichen ersparen. 

14 Ausbildungsplätze hatte die Firma des Industriemeisters kürzlich zu vergeben. 800 Interessenten haben sich gemeldet. Und vielfach muss Mustafa Yaman immer wieder feststellen, dass etliche selbst das kleine 1x1 einer Bewerbung nicht beherrschen. «Der Auftritt ist manchmal schon sehr schwach.» Allein die Anschrift ist oft falsch, die Schreiben strotzen vor Fehlern, die Kenntnisse über den Beruf oder das Duale System vor Ahnungslosigkeit, es werden aussagelose Standard-Bewerbungen abgeschickt, die sich jeder am PC herunterladen kann. «Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie Chancen aus purer Unkenntnis den Bach runtergehen», versichert der Freizeit-Berufsberater. 

Eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Yaman wartet nicht auf die Jugendlichen, er spricht sie von sich aus an, wenn er von Problemen erfährt. Gelegenheit dazu hat er reichlich. Der Ausbilder hat gute Kontakte zum deutschtürkischen Unternehmerverein Tiad, ist in türkischen Vereinen aktiv und im Aufsichtsrat der Türkischen Gemeinden in der Metropolregion Nürnberg (TGMN). Und er ist als Aufklärer viel in Hauptschulen unterwegs.

Schnelles Aha-Erlebnis 

Bei seinen Schützlingen stellt sich sehr schnell ein Aha-Erlebnis ein, wenn er ihnen erste Informationen über Bewerbung und Beruf gibt. «Ich gehe dann sehr schnell auf die Eltern zu, damit sie mit mir an einem Strang ziehen», erzählt Yaman, «die wissen häufig genauso wenig wie ihre Kinder.» Als gebürtigem Türken sind ihm dabei Wege geebnet, die offiziellen Beratern versperrt sind. Ganz zu schweigen davon, dass Agentur-Mitarbeiter bei den Aktenbergen auf ihrem Schreibtisch gar nicht die Zeit für solche hilfreichen Familien-besuche hätten. Geschenkt bekommen die Jugendlichen von Yaman allerdings nichts. 

«Ich mache mit jedem von ihnen einen kleinen Vertrag, den sie auch erfüllen müssen.» Zu den «Hausaufgaben» gehört es beispielsweise, sich jedes Wochenende die Zeitung zu besorgen und dort Stellenangebote zu wälzen. «Die Jugendlichen lesen leider keine deutsche Zeitung», betont Yaman, «schon dadurch entgehen ihnen viele Informationen.» Nach der Pflichtlektüre wird geprüft, welches Angebot in Frage käme, und es wird gemeinsam an den Bewerbungen gefeilt, bis sie passen. Erst dann landen sie im Briefkasten. Bevor es dann in einem Betrieb ernst wird, werden Bewerbungsgespräche und Einstellungstests geübt. 

Der schönste Lohn 

Inzwischen hat Mustafa Yaman über das Projekt Los (Lokales Kapital für soziale Zwecke) des Bundesfamilienministeriums ein regelrechtes Bewerbungsmanagement entwickelt. Er vermittelt dabei «in den Abendstunden nach Feierabend» sehr erfolgreich Plätze für die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ), die häufig in sichere Ausbildungsplätze mündet. Persönliche Kontakte zu Unternehmern helfen ihm auch hier. «Der schönste Lohn sind für mich dann Anrufe von Jugendlichen, die es geschafft haben.» 

Damit sind die Energien des Tausendsassas im Ausbildungsbereich aber noch nicht erschöpft. Mustafa Yaman studiert nebenbei Wirtschaft und Psychologie und widmet sich dabei besonders der Behebung des vielfach beklagten Fachkräftemangels. Er verspricht sich dabei viel von der Qualifizierung von nur an- oder ungelernten Arbeitern. «Die haben viel Ahnung von der Praxis, es fehlt nur die Theorie.» Die will ihnen Yaman vermitteln. 

Ausprobiert hat er sein Konzept schon im eigenen Betrieb mit zwölf Kollegen. Der Versuch ist gelungen: «Vor zwei Monaten haben die Leute, die vielleicht vor 20 Jahren das letzte Mal eine Schule von innen gesehen haben, bei der IHK eine Prüfung abgelegt. Jetzt haben sie einen staatlich anerkannten Beruf. Das ist für mich ein wahnsinnig großer Erfolg.» Gelungen ist dieser nach Ansicht von Mustafa Yaman auch deswegen, weil er ohne großen bürokratischen Aufwand auskommt: «Davor haben die Menschen eine große Scheu.» Der verheiratete Vater zweier Töchter könnte die für seine sozialen Aktivitäten notwendige Zeit auch anders verbringen: «Die Familie trägt das alles aber mit. Ich möchte etwas von dem wieder zurückgeben, was ich mir in dieser Gesellschaft erwerben konnte.» Und seit 33 Jahren ist das für Mustafa Yaman der Raum Nürnberg. Michael Kasperowitsch